|
“ich bin die rührschüssel in der gedankenbesen teig mischt später werfe ich den ofen an zu backen frische sätze." Ja, genau so
ist es - erfrischend frische Sätze backt die Hamburger Autorin Kerstin Leppert (39) in ihrem neuen Lyrik-Band. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass Lyrik sich weder reimt, noch Punkt und Komma hat und alles klein geschrieben wird, fühlt man sich sehr angenehm angeregt in ihrer Teig-Rührschüssel.
Die 88 Gedichte thematisieren Reisen, Literatur, Weisheit (Leppert ist Yogalehrerin), Alltagsbeobachtungen.
Und das Thema Nummer eins - der Titel des Buches deutet es schon an. Sind die anderen Themen schon wunderbar bildhaft ("unter der decke des hotelzimmers vier meter hoch liegt die stille wie ein weißes laken") und selbstironisch ("ich schwamm auf wutwogen in kleinklariertes schweigen"), so sind die Zeilen über Liebe, Leidenschaft und deren Verlust der pure Blues. Als wären sie für Songs geschrieben, zu denen man ganz viel Rotwein braucht und Zigaretten raucht.
Erst
fängt es herrlich an ("entbein mein bloßes Fleisch und kelche mich langsam"), dann wird es stiller ("zwei Stühle schweigen am gedeckten Tisch") und am Ende grausam ("im gleißenden Scherenschnitt eines Julimorgens fällt das Beil des Abschieds"). Die Erinnerung dann bietet wirklich große Poesie:"einst schwebte ich mit dir im mittelpunkt der zeit").
"spüre mich" fordert Kerstin Leppert den Leser auf - mit Erfolg: Man spürt sie. Sehr deutlich.
Karsten Flohr (Journalist und Jazzpianist aus Hamburg)
|