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flügel

die lust sie trägt

zwischen den schulterblättern

juckt es wie jeden märz

nach dem duschen reibe ich

mit dem handtuch über die knospen

zart brechen sie hervor

schon kann ich sie im spiegel sehen

hellgrün und rosa

nachts schlafe ich auf der seite

um ihr wachstum nicht zu hemmen

unter dem t-shirt ahnt man sie

manchmal zucken sie schon

bis ich sie ausbreiten kann

ihr filigranes gerüst entfalten

ist es mai

ich flattre mit ihnen

probe für den ernstfall

ein paar wochen später

auf dem dach meines hauses

atme ich sommerluft

die nach flieder und fernweh duftet

nach süßem schmerz

breite meine flügel aus

die lust sie trägt

 

flügel weben

nicht wie ikarus

mit teer und federn

der sonne entgegen

bis ihre hitze seine flügel schmilzt

nicht wie die tauben

auf dem markusplatz

deren gurren tausendfach widerhallt

von den mauern der basilika

nicht wie die krähe

die im sturzflug niedersaust

um der jungen mutter in den arm zu picken

nein meine flügel

sind aus licht gewebt

aus silben genäht

sie tragen mich

solange die worte halten